Geistlicher Impuls

Impuls von Pfarrer Andreas Liedtke, April 2020

Eine alte kirchliche Tradition lässt zu einer bestimmten Zeit im Jahr, der Passionszeit, auch die Augen fasten. Und so wurden in Kirchen Altäre verhängt. Seit vielen Jahren bietet das Hilfswerk Misereor künstlerisch gestaltete Hungertücher an, zur besonderen Meditation vor Ostern.
Ich meine, dass geht auch noch sehr gut danach, sich besinnen, mal eine kurze Pause in den „Trott“ bringen, zumal in den Zeiten, die uns dieser Tage auferlegt sind.

 

In dem dominierenden Blau des Hungertuches von Uwe Appold leuchtet der goldene Kreis, der über der Erde liegt und ein kleines Stück dieser Erde auswählt und umschließt – als Haus, in seiner Vorläufigkeit offene Heimat und Aufgabe für alle. Der Ring leuchtet, obwohl er sich mit der Erde eingelassen hat und Blutrot aus seinem Gold hervorbricht.

 „Unsere Heimat aber ist im Himmel“ versichert Paulus den Philippern in seinem Brief an sie und damit auch uns. Und der Himmel ist auf die Erde gekommen.

 

Ein Haus bauen, ein irdisches und ein himmlisches … Heimat für Menschen

in aller Freud, in allem Leid und immer in Gottes Gegenwart...

 

Was für ein Haus baue ich?

Manche suchen Gott im unberührten Himmel, im reinen Gold - und finden ihn nicht.

Manche wollen ein Haus für sich bauen, geschützt in ihrer Vorstellung von Gott -

und finden keine Heimat.

Manche umgeben ihr Land mit geschlossenen Mauern ohne Fenster zur wirklichen Welt und werden unfruchtbar.

Fruchtbare Erde von Gethsemane, mit Blutstropfen getränkt,

göttliche Gegenwart auf dieser Erde, von Erde berührt,

ein offenes Haus aus zerbrechlichen Mauern.

Was für ein Haus baue ich?

 

 

Der leuchtende, goldene Ring ums Haus will Gott sagen lassen: Ich bin da für dich – jetzt und immer! Die weißen Schriftzeichen darunter (s.auch unten) wirken wie eine Unterschrift: Ja, ich bin da für dich – aber: Wo bist du?

 

In Gottes Gegenwart wird uns Heimat geschenkt. Doch Gott ruft uns nicht in ein heimeliges, kuscheliges Haus, das uns gegen alle Gewalt, alles Leid, allen Schmerz abschottet. Er selbst hat sich in seiner Menschwerdung von unserem Blut durchbluten lassen. Sich von ihm in seine Gegenwart hineinrufen zu lassen geschieht immer konkret – nicht im Himmel, sondern hier auf der Erde, die durch ihn heiliger Boden geworden ist.

 

Und dann: Es ist kein fertiges und stabiles Haus, sondern ein offenes, ein Provisorium.

Es ist kein Haus, um sich darin für immer niederzulassen.

Wer es betritt, wird weiter gesandt werden bis an den Rand der Erde.

Auf der großen, lebendig blauen Fläche ist unten rechts eine Gestalt angedeutet. Ob Mann oder Frau? Das spielt keine Rolle. Es ist ein Mensch, dessen Gewand das Blau und Rot des Bildes aufgenommen hat.

 

Darüber eine Linie aus Edelstahl - wie eine Schale – es könnte ein weit offener Mensch mit empfangsbereiten Arme sein:

 

Was wir empfangen haben, sollen wir weitergeben. Indem wir zu denen gehen, die auf uns warten, bekommt unser Leben Farbe. Was bis dahin schemenhaft war, erhält leuchtende Konturen in Blau und Rot – Blau die Farbe dieser Erde, Rot die Farbe des Kreuzes ganz links und so die Farbe Christi.

 

 

 

 

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